Die Tafel-Idee

Leider gibt es auch in Traunreut viele Menschen, die z.B. durch Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit, Scheidung, knappe Rente oder Integrationsprobleme in finanzielle Not geraten sind. Sie müssen oft sogar am Essen sparen. Und dies, obwohl es in Deutschland Lebensmittel im Überfluss gibt.

Ziel der Traunreuter Tafel ist es daher, qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, zu sammeln und an Bedürftige zu verteilen. Dies geschieht direkt durch Lebensmittelausgaben an bedürftige Menschen.

Die Arbeit der Traunreuter Tafel ist jedoch nur möglich durch die Unterstützung zahlreicher engagierter Helfer und Förderer. Das Motto der Tafeln lautet:

„Jeder gibt, was er kann.“

Der eine spendet Lebensmittel (z.B. Bäcker, Wochenmärkte, Supermarktketten), der andere hilft mit Sachspenden (z.B. Kfz-Mechaniker, Grafiker, Druckerei). Ein dritter spendet Geld (z.B. für Strom, Heizung, Benzin, Büromaterial Telefon, Porto, Werbekosten). Und viele Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich bei der Traunreuter Tafel.

Die Tafel sammelt qualitativ einwandfreie Lebensmittel, die im Wirtschaftskreislauf nicht mehr verwendet und ansonsten vernichtet würden und verteilt diese an Bedürftige (davon ein Drittel Kinder und Jugendliche). In Deutschland sind die Tafeln seit 1993 aktiv. In zahlreichen anderen europäischen Ländern existieren vergleichbare Initiativen (Food Banks). Die Tafeln sind in Deutschland im „Bundesverband der deutschen Tafeln“ organisiert und zumeist auf der Ebene der Kommunen aktiv. Sie heißen deshalb z.B. Berliner Tafel, Hamburger Tafel oder Traunreuter Tafel. Der Name „Tafel“ ist als eingetragenes Markenzeichen rechtlich geschützt.

Die erste deutsche Tafel wurde 1993 in Berlin durch die Initiativgruppe Berliner Frauen e. V. gegründet und organisiert, nach deren Vorbild weitere Tafeln zunächst in den großen deutschen Städten entstanden. Inzwischen (Stand Juni 2015) gibt es in der Bundesrepublik 923 Tafeln, die mit mehr als 60.000 ehrenamtlichen Helfern verwertbare Lebensmittel einsammeln, die der Handel oder Hersteller als unverkäuflich aussortierten. Dabei handelt es sich um Produkte, die kurz vor dem Verfalldatum stehen, aus Überproduktionen stammen oder deren Verpackung beschädigt ist, wobei die Menge der gelieferten Waren an die Tafeln (etwa 100.000 Tonnen im Jahr) im Vergleich zur Menge der insgesamt im Müll entsorgten Lebensmittel (ca. 20 % der im Handel befindlichen Lebensmittel) relativ gering ist.

Diese Waren – in geringerem Umfang auch Waren des täglichen Bedarfs – gelangen in Deutschland über mehr als 2.000 Ausgabestellen in sozialen Einrichtungen oder Tafel-Läden an Bedürftige. Die Abgabe erfolgt in Traunreut gegen einen symbolischen Betrag. Als Empfänger der Spenden gelten Bezieher von ALG II oder von Sozialhilfe, die ihren Leistungsbezug belegen müssen. Die Finanzierung der Tafel-Arbeit läuft ausschließlich über Mitglieder, Sponsoren und Spender.

Die Idee der Tafeln stammt aus Amerika: 1963 hatte John van Hengel in Phoenix/Arizona die erste Food Bank gegründet – ein großes Lagerhaus vor allem für längerfristig lagerfähige Lebensmittelspenden. 1983 nahm in New York die Organisation City Harvest ihre Arbeit auf.

Der Großteil der deutschen Tafeln hat sich 1995 in dem Bundesverband Deutsche Tafel e. V. zusammengeschlossen. Entsprechend den Grundsätzen des Bundesverbandes sind Tafeleinrichtungen überkonfessionell, stehen keiner Partei nahe, treten nicht in Konkurrenz miteinander (Gebietsschutz) und helfen möglichst vielen Menschen, die es brauchen.